Fünf Fakten über Psychologie

Über Mythen und Legenden

Psychologische Diagnostik und Therapie Graz

Sowohl im Praxisalltag als auch in der Lehre kommt es immer wieder zu Missverständnissen was Psychologie eigentlich ist und was Psycholog*innen überhaupt genau machen. Nachfolgend werden fünf Basics über Psychologie beschrieben und es wird mit häufigen Mythen und Legenden aufgeräumt.

1. Die Psychologie untersucht das Erleben und Verhalten

Die Psychologie ist ein weitreichendes und heterogenes Fachgebiet und eine Definition gestaltet sich daher auch als komplexes Unterfangen. In den Einführungslehrbüchern wird Psychologie häufig als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten definiert. In anderen Worten, Psychologie beschäftigt sich mit dem menschlichen Verhalten von Individuen (und auch Gruppen von Individuen) und ihren mentalen und emotionalen Prozessen.

Eine aktuelle Fragestellung wäre zum Beispiel, was Menschen dazu antreibt, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten (=menschliches Verhalten) und wie sich die soziale Isolation auf das emotionale Befinden (=menschliches Erleben) auswirkt.

2. Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft

Eine Aussage, der man häufig im Alltag begegnet, ist, dass Psychologie doch eh nur mit gesundem Menschenverstand zu tun habe und dass man dafür nicht mehrere Jahre studieren müsse. Es stimmt zwar, dass sich die Psychologie häufig mit alltäglichen Situationen und Problemen beschäftigt, eine fundierte Anwendung psychologischer Prinzipien geht jedoch über die Alltagspsychologie hinaus.

Das wesentliche Merkmal der Psychologie ist, dass sie ihre Schlussfolgerungen auf Daten stützt, die mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden erhoben wurden. Die wissenschaftlich fundierte Datenerhebung, -auswertung und -interpretation nimmt in der Psychologie demnach einen großen Stellenwert ein. Das Prinzip der Wissenschaftlichkeit betrifft aber auch den Praxis- und Berufsalltag von Psycholog*innen aller Richtungen, indem zum Beispiel jene Interventionen vorrangig eingesetzt werden, bei denen auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen der größte Behandlungserfolg zu erwarten ist.

3. Die Psychologie hat unterschiedliche Zugänge

Die Komplexität der Psychologie wird ersichtlich, wenn man sich die unterschiedlichen Zugänge, mit denen psychologische Fragestellungen untersucht werden können, etwas genauer anschaut. Ein und dasselbe Phänomen kann dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.

Angst hat zum Beispiel seine Wurzeln in der Entwicklungsgeschichte von Lebewesen, da die damit einhergehende körperliche Aktivierung (=neurobiologische Perspektive) in bedrohlichen Situationen einen deutlichen Überlebensvorteil darstellte (=evolutionäre Perspektive). Angststörungen entstehen hingegen häufig als Folge von übermäßigem Vermeidungsverhalten (=behavioristische Perspektive) und unrealistischen Bewertungen und Katastrophengedanken (=kognitive Perspektive). Jede dieser Perspektiven trägt dabei zum besseren Verständnis psychologischer Phänomene bei.

4. Die Psychologie unterteilt sich in Subdisziplinen

Die Psychologie unterteilt sich in unterschiedliche Subdisziplinen, die jeweils spezifische Fragestellungen mit dazu passenden Methoden zu beantworten versuchen. Die einzelnen Subdisziplinen ergänzen sich dabei gegenseitig oder bauen aufeinander auf.

Klinische Psycholog*innen brauchen zum Beispiel fundiertes Wissen in Diagnostik und Testtheorie, damit die Schwere psychischer Beeinträchtigungen valide erfasst werden kann. Psycholog*innen in diesem Bereich müssen auch Kenntnisse über die neurobiologischen Vorgänge im Körper besitzen, um die Patent*innen über bestimmte Körperreaktionen (z.B. Herzrasen bei Angst, "Wiedererleben" bei traumatischen Erfahrungen) aufklären zu können. Wissen aus der Allgemeinen Psychologie kann wiederum von großer Bedeutung sein, um kognitive Verzerrungen, Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsfilter oder die Zusammenhänge zwischen Gedanken und Emotionen besser einordnen zu können. Besonders die Kombination dieser unterschiedlichen Disziplinen macht Psychologie zu einem derart spannenden Themenbereich.

5. Die Psychologie betrifft mehr als die psychische Gesundheit

Häufig herrscht der Irrglaube vor, dass man sich bei Psycholog*innen ausschließlich auf die Couch legt und über seine Kindheitstraumata reflektiert. Es stimmt zwar, dass sich viele Psycholog*innen mit psychischer Gesundheit beschäftigen (wenn auch in einem anderen Setting als liegend auf der Couch), die psychologischen Arbeitsfelder betreffen aber auch andere Bereiche wie zum Beispiel

  • die Forschung, die Lehre und die Ausbildung (z.B. auf Unis oder in der Schule)
  • die Beratungs- und Coachingtätigkeit im sportlichen Bereich (z.B. zur Motivationssteigerung) oder in der Wirtschaft (z.B. Werbung)
  • die Gutachtertätigkeiten bei Rechtsfragen oder Kriminalfällen sowie
  • das Personalwesen (z.B. Personalauswahl, Organisationsentwicklung, betriebliche Gesundheitsförderung).

Grundsätzlich gibt es kaum einen Bereich, wo psychologische Expertise nicht von Vorteil sein kann.

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