Agnosie und Neglect

Symptomatik und Behandlung

Agnosie

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Kannst du dir vorstellen, wie es ist, keine Gesichter mehr erkennen zu können? Tatsächlich gibt es Personen, die Gesichter nicht voneinander unterscheiden können oder die selbst die Gesichter ihrer Liebsten nicht wiedererkennen. Dieses Phänomen nennt sich Prosopagnosie (Gesichtsblindheit), eine Sonderform der Agnosie.

Die Agnosie ist eine zerebrale Störung, bei der Sinneseindrücke nicht mehr erkannt oder interpretiert werden können, obwohl die Sinneswahrnehmung, die Aufmerksamkeit und die Sprache intakt sind. Grundsätzlich kann die Agnosie jede Sinnesmodalität betreffen (z.B. auditive Agnosie, taktile Agnosie, etc.), wobei die Prosopagnosie als Spezialform der visuellen Agnosie anzusehen ist.

Die Prosopagnosie ist dadurch gekennzeichnet, dass Betroffene nicht dazu in der Lage sind, Gesichter adäquat zu verarbeiten. Das Hauptproblem der meisten Betroffenen scheint darin zu bestehen, dass zwar Einzelheiten eines Gesichtes wahrgenommen werden (Augen, Nase, Mund etc.), diese aber nicht zu einem Ganzen integriert werden können.

Die Prosopagnosie kann sowohl angeboren sein als auch erworben werden (z.B. durch zerebrale Läsionen, aber auch Erkrankungen wie Demenz). Zumeist tritt das Störungsbild infolge von Läsionen des temporo-okzipitalen Übergangs oder des basalen Temporallappens auf, die häufig den Gyrus Fusiformis und/oder den Gyrus Lingualis betreffen können. Jedoch gibt es auch Fälle, bei denen es trotz Läsionen in diesen Arealen zu keiner Gesichtsblindheit kommt. Die Lokalisation der Gesichtserkennung scheint daher individuell variabel zu sein.

Zur Behandlung der Prosopagnosie können kompensatorische Strategien den Patient*innen dabei helfen, Personen zu erkennen. Durch das systematische Beachten einzelner Gesichtsmerkmale soll auf die Identität einer Person geschlossen werden. Zudem kann ein Training mit Figuren dabei helfen, Gesichter zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.

Literatur: Goldenberg, G. (2007). Neuropsychologie: Grundlagen, Klinik, Rehabilitation. München: Urban & Fischer.

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Neglect

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Beim "Neglect" (auch halbseitige Vernachlässigung genannt) handelt es sich um eine neurologische Störung der Aufmerksamkeit, bei der Betroffene eine Raum- bzw. Körperhälfte und/oder Objekthälften vernachlässigen. Es scheint so, als ob für die Patient*innen eine Seite (meist die linke Seite) aufgehört hat zu existieren. Die Betroffenen beachten dann z.B. Personen, Gegenstände oder sensorische Reize nicht, wenn sich diese auf der zur Läsion kontralateralen (d.h. der entgegengesetzten) Seite im Raum oder am eigenen Körper befinden.

Die halbseitige Vernachlässigung kann visuelle, taktile und auditive Reize sowie auch die Motorik der kontralateralen Extremitäten betreffen, ohne dass Lähmungen, Hör-, Gefühls- oder Sehstörungen (z.B. Gesichtsfeldstörungen) bestehen. Darüber hinaus kann auch das räumlich-topographische Gedächtnis von der halbseitigen Vernachlässigung betroffen sein. Betroffene wenden sich einer Seite zu und beachten die andere nicht mehr. Dies kann sogar so weit gehen, dass sie beispielsweise der Körperhygiene der vernachlässigten Seite nicht mehr nachgehen oder gar die Extremitäten dieser Seite nicht mehr bewegen, obwohl die Motorik intakt ist.

Zumeist tritt die Neglectsymptomatik nach Läsionen (z.B. nach einem Schlaganfall) der rechten, nicht sprachdominanten Hemisphäre auf. Dabei handelt es sich oft um Schädigungen im Bereich des rechten oberen temporalen Kortex (v.a. Gyrus temporalies superior, Planum temporale) sowie der rechten Inselregion.

Nach akut aufgetretenen Läsionen kommt es meist zu einer raschen Remission der Neglectsymptomatik. Sofern dies nicht der Fall ist, lässt sich die Symptomatik dennoch durch eine geeignete Therapie reduzieren. Ziel der Behandlung ist es, die Aufmerksamkeit auf die vernachlässigte Seite zu verschieben, etwa durch Explorationstrainings (Suchaufgaben) oder auch durch ein Training der allgemeinen Aufmerksamkeit.

Literatur: Goldenberg, G. (2007). Neuropsychologie: Grundlagen, Klinik, Rehabilitation. München: Urban & Fischer.
Karnath, H. O., & Thier, P. (2006). Neuropsychologie. Berlin: Springer.

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